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Guillaume Bijl

*1946 in Antwerpen/Belgien, lebt und arbeitet in Antwerpen und Münster



Projekt: Archäologische Stätte (Eine Sorry Installation)

Mitten im Grünen, auf der Sentruper Höhe am Aasee, umgeben allein von Bäumen und Wiesen, liegt ein neuer Meilenstein des Kulturtourismus. Wenn man näher tritt, kann man die archäologische Ausgrabungsstätte von einer Balustrade aus besichtigen: Ein freigelegter schiefergedeckter Turm mit einem Wetterhahn auf seiner Spitze wächst aus einer Grube empor. Guillaume Bijl hat ihn entdeckt, besser: Der Turm ist seine Erfindung, wie schnell deutlich wird. Man beugt sich über eine absurde surrealistische Skulptur. Mit ihren Türmen prägen die Münsteraner Kirchen auch heute noch das Stadtbild. Der belgische Künstler kam auf die Idee, „jemand könnte noch eine weitere Kirche entdecken, die der Zeit zum Opfer gefallen ist, im Krieg verschüttet...“ – nun hat Münster einen Aussichtspunkt auf die Kulissenkultur hinzugewonnen.


Guillaume Bijl ist so charmant, seiner Arbeit eine entschuldigende Geste mitzugeben – solche Nachbildungen, die sich selbst entlarven, ordnet er in seinem Werk unter der Kategorie der Sorry-Objekte ein. „Sorry“ sagt Bijl weniger, weil er Erwartungshaltungen karikiert, indem er sie inszeniert, sondern vielmehr, weil er seine sonstige realistische Arbeitsweise mit dieser absurden, sich selbst entlarvenden Installation verrät. Es wird ihm wahrscheinlich nichts helfen: Sein Turm wird zu einer touristischen Attraktion werden.

Biographie

Die Installationen von Guillaume Bijl sind geprägt von Ironie und Witz, setzen sie doch eine Illusion von Gestaltung und Ordnung in die Welt, die uns das Unvermögen bzw. die oft unfreiwillige Komik öffentlicher Inszenierungen direkt bewusst macht. Der Versuch, städtische Räume zu ordnen und so zu gestalten, dass sie unterschiedlichen Wünschen und Anforderungen gerecht werden, ist in den Augen von Bijl eine Illusion und Thema seiner Kunst. Sein künstlerisches Programm lässt sich weder mit Begriffen wie „objet trouvé“ noch „Kontext-Kunst“ ausreichend beschreiben . Bijl zweifelt grundsätzlich an, dass sich das Öffentliche durch die Inszenierung von Öffentlichkeit beispielsweise durch Stadtmöblierung erfahren lässt. Seine Installationen leben von der Täuschung durch die Realität. So sieht beispielsweise Bijls ‚Römische Straße’ (1994) im Antwerpener Freilichtmuseum Middelheim lediglich wie eine archäologische Stätte aus. Bijl glaubt, dass man die Dinge in ihrer Inhaltslosigkeit und Leere nur mit Hilfe der Illusion ertragen kann. Der Kulturtourismus und die Freizeit- und Konsumindustrie dienen dem Künstler dabei als Modell.

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