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Gustav Metzger

*1926 in Nürnberg, lebt und arbeitet in London



Projekt: Aequivalenz- Shattered Stones (Aequivalenz- Zerschmetterte Steine)

Gustav Metzger vertrat schon vor 40 Jahren einen so radikalen Ansatz, dass er sogar zum Streik gegen die eigene Kunst aufrief – und in den nächsten Jahrzehnten vom Kunstbetrieb vollkommen ignoriert wurde. Einfluss nahm er trotzdem. Seine autodestruktive Kunst inspirierte Pete Townshend von The Who, seine Gitarren zu zertrümmern; seine flüssigen Kristalle auf hauchdünnen Glasscheiben, die Metzgers Begriff der autokreativen Kunst illustrieren, prägten die psychedelischen Bühnenshows von The Cream. Der in London lebende Künstler hat ein Werk geschaffen, das sich in vergänglichen Aktionen flüchtig zeigt. Wenn Gustav Metzger, wie in seiner Arbeit für Münster, eine Maschine und den Faktor Zufall einbaut, betreibt er, so in einem Manifest, „eine radikale Erweiterung anerkannter unproduktiver Vorstellungen von Kunst“. An jedem Tag der Laufzeit von skulptur projekte münster 07, insgesamt 107 Mal, wird ein Gabelstapler vor dem Westfälischen Kunstverein vorfahren, ein Mann aussteigen und hineingehen, mit einem Passwort das Programm in einem Computer öffnen, das ihm – durch einen Zufallsgenerator ermittelt – anweist, wie viele Steine er an welchen Ort in der Stadt zu bringen hat. Seine Last findet der Fahrer am Landesmuseum, er bringt es mit dem Gabelstapler an die bezeichnete Stelle, macht ein Foto des Steinhaufens und speist dieses, in den Kunstverein zurückgekehrt, ins Internet ein.
www.aequivalenz.com


Biographie

Gustav Metzger wurde 1926 als Sohn orthodoxer Juden in Nürnberg geboren. Nachdem die Familie bis auf seinen älteren Bruder Max nach Polen deportiert worden war, konnten die Brüder mithilfe des „Refugee Children Movement“ nach England fliehen und überlebten so das Naziregime. Metzger studierte später Kunst an der Cambridge School of Art in London und zählt seit den späten 50er und 60er Jahren zu den Vertretern der Aktionskunst. Sein künstlerisches Werk ist eng verbunden mit dem Begriff der autodestruktiven Kunst, zu der er zwischen 1959 und 1964 fünf Manifeste veröffentlicht. Als Reaktion auf die nukleare Bedrohung einerseits und auf die Entwicklung der Kunst hin zur bloßen Ware andererseits greift die autodestruktive Kunst das vorgefundene destruktive Potential auf, um es in Kreativität umzuwandeln. Einer Ästhetik des Ephemeren verpflichtet, bleiben am Ende der künstlerischen Prozesse nur selten anschauliche Kunstobjekte zurück.

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